Bad Uracher Geothermieprojekt wird fortgesetzt
Deutschlands einziges „Hot Dry Rock“-Verfahren wird im Ermstal erprobt
Für die Entwicklung nachhaltiger und zukunftsweisender Energiequellen kann die Fortsetzung des Bad Uracher Geothermieprojektes ein bedeutender Schritt nach vorne sein. Die Stadtverwaltung Bad Urach und die ausführenden Stadtwerke Bad Urach freuen sich, dass sie auf diese Weise ihren Teil dazu beitragen können, die Ressourcen nachkommender Generationen zu schonen.
Die 2008 zugesagte finanzielle Förderung des Bundesumweltministeriums stellt die Weiterführung des derzeit einzigen Projektes dieser Art in Deutschland sicher. Zudem hat die Energie Baden-Württemberg (EnBW) ihr großes Interesse an der Fortführung des Projekts geäußert und beteiligt sich als Partner und Investor an der Finanzierung des Vorhabens.
Gegenüber den üblichen, auf heißen Grundwasserströmen angelegten Geothermieprojekten hat das „Hot Dry Rock“-Verfahren den Vorteil, dass man diese Technologie fast überall in Europa anwenden könnte. Dem Bad Uracher-Projekt kommt somit eine internationale Pilotfunktion bei der Erforschung umweltverträglicher Energiequellen zu.
In einem ersten Schritt wird eine Machbarkeitsstudie erarbeitet. Im Rahmen dieser Studie sollen Wissenslücken geschlossen werden, die durch die finanziell und teilweise technisch bedingte Unterbrechung der Arbeiten im Jahr 2004 offen bleiben mussten. Ziel der Machbarkeitsstudie ist es, Daten zu erhalten, die darüber Aufschluss geben, in welcher Form und Ausprägung die Wärme in Bad Urachs Untergrund zur Energiegewinnung wirtschaftlich genutzt werden kann.
Eine Vertiefung der bestehenden Bohrung ist zur Klärung dieser offenen Punkte nicht erforderlich. Die Gesamtkosten der Machbarkeitsstudie belaufen sich auf ca. 200.000 €.
Fragen und Antworten zum Bad Uracher „Hot Dry Rock“-Projekt:
Was sind die Besonderheiten und Vorteile des „Hot Dry Rock“-Verfahrens gegenüber herkömmlichen Geothermieprojekten?
Beim „Hot Dry Rock“-Verfahren wird Wasser mittels einer tiefen Bohrung durch das an sich trockene Gebirge gepresst, daher auch die englische Bezeichnung „Dry“. Das dabei erhitzte Wasser wird über eine parallele Förderbohrung wieder entnommen und anschließend in Energie umgewandelt.
Bei den herkömmlichen Geothermieprojekten handelt es sich um hydrothermale Projekte. Dort werden heiße Grundwasserströme angebohrt, um daraus Wasser zur Energiegewinnung zu fördern.
Wie hoch sind die Kosten der Studie und wie werden diese aufgeteilt?
Die Kosten der Studie werden sich auf insgesamt 202.000 € belaufen. Diese Kosten wer-den jeweils zur Hälfte vom Bundesumweltministerium und von der Energie Baden-Württemberg (EnBW) getragen.
Wie viel Strom und Wärmeenergie könnte die Anlage im Optimalfall produzieren?
Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch schwierig detaillierte Zahlen zu nennen. Die erzeugbare Energie ist abhängig von der Zirkulations- und Wärmemenge im Untergrund. Diese lassen sich aber im derzeitigen Stadium noch nicht genau prognostizieren.
Besteht die Gefahr von Erderschütterungen?
Im Zuge der Forschungsarbeiten an den Bohrlöchern „Urach 3“ und „Urach 4“ wurden in der Vergangenheit bereits mehrere Hochdruckversuche durchgeführt. Dabei wurden keine Erschütterungen festgestellt.
Welche(s) Ingenieurbüro(s) sind mit der Vorbereitung und Durchführung der Studie beauftragt?
Die Machbarkeitsstudie wird von einer Projektgruppe durchgeführt. Beteiligt an dieser Projektgruppe sind:
- das geowissenschaftliche Institut Hydro-Data aus Bad Urach
- das Regierungspräsidium Freiburg, Abteilung 9, Landesamt für Geologie in Freiburg
- das GGA-Institut für Geothermik und Grundwasserhydraulik aus Hannover
Projektberater ist der Geologe Dr. Hans-Georg Dietrich aus Reutlingen.
Wie tief sind die bestehenden Bohrungen „Urach 3“ und „Urach 4“?
Die Bohrung „Urach 3“ ist 4.445 m tief, „Urach 4“ bringt es auf 2.795 m Tiefe.
Wie hoch sind die Temperaturen, mit denen beim Bad Uracher Projekt gearbeitet wird?
Auf Höhe der Forschungstiefe herrschen Temperaturen von etwa 130 Grad Celsius.
Reicht der jetzige Abstand der beiden Bohrungen „Urach 3“ und „Urach 4“ aus?
Zum jetzigen Zeitpunkt können darüber noch keine verwertbaren Angaben gemacht werden. Die Machbarkeitsstudie wird zur Klärung dieser Frage beitragen.
Ist eine Kapazitätserhöhung der Kraft-Wärme-Kopplung möglich und wie kann sie realisiert werden?
Durch eine weitere Bohrung oder die Vertiefungen der bestehenden Bohrungen könnte später eine Kapazitätserhöhung erreicht werden. Zur Klärung der offenen Fragen ist eine Vertiefung zurzeit jedoch nicht notwendig.
Wo liegen die Wirtschaftlichkeitsgrenzen und Risiken?
Die Wirtschaftlichkeit des Projektes hängt ab von der Durchlässigkeit des Gesteins, der Zirkulationsrate und den erforderlichen Drücken. Genauere Bezugsgrößen hierfür werden im Zuge der Machbarkeitsstudie ermittelt.

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